Besuch beim Fischereiverein Münchenstein-Reinach
Stammabend vom Mittwoch, 3. Juni 2026
Beim Fischereiverein Münchenstein-Reinach!
Ab 18 Uhr Grillieren.
19:30 Referat von Männi Koffel über die Fische in der Birs und die Herausforderungen.
Männi Koffel hat uns allerlei Spannendes zu seiner Arbeit als Fischer und Arterhalter zu den Fischen in der Birs zu erzählen.
13 Fischarten leben in der Birs (siehe Bilder). Männi hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fischarten in der Birs zu erhalten mit diversen Massnahmen: Fischverbotszonen, Errichten von Kinderstuben für die natürliche Vermehrung und Zucht zur Arterhaltung.
In der Birs dürfen keine Fische mehr ausgesetzt werden; die sollen sich selber vermehren. (Ausnahmen sind 2 Projekte bezüglich Forelle und Aesche). Darum gibt es Schutzzonen, wo fischen verboten ist, damit die Jungtiere ungestört aufwachsen können. Zudem werden mit gefälltem Holz (auch mit Hilfe des Bibers) mit schwimmenden, angebundenen Baumstämmen am Ufer Verstecke für die Fische eingerichtet. Befestigtes totes Holz am Ufer im Wasser ist lebensnotwendig für die Fische, weil bei Hochwasser sonst alles weggeschwemmt wird (insbesondere der Laich). Die Birs führt mindestens zweimal pro Jahr Hochwasser, wobei der Kies am Boden wegschwemmt und damit der Laich zerstört wird.
Mit Bewilligung des Kantons hat Männi Koffel in Brüglingen eine Fischzucht eingerichtet mit dem Ziel: Arterhaltung. Dabei ist zum Beispiel zu beachten, dass der Laich einer Bachforelle aus der Donau oder der Rhone in der Birs nicht überlebt. Die Arten haben sich an die Umgebung angepasst und haben alle eine eigene Genetik; also kann man nur Laich einer Bachforelle aus der Birs oder dem Rhein für die Zucht verwenden und die Fische anschliessend in der Birs aussetzen.
Spannend sind die Bestimmungen über die erlaubten Grössen der Forellen, die gefischt werden dürfen: Es gilt ein Fangverbot für die Fischgrösse von 32 cm bis 40 cm. Grund: Dies ist das beste Alter für die Fischzucht mit der grössten Chance des Ueberlebens der Eier. Kleinere und grössere Forellen dürfen gefischt werden. (Innert weniger Stunden nach der Befruchtung ist sichtbar, welche Eier von einem Laich überleben. Die Eier, die weiss werden, sind tot und müssen aus dem Fischzuchtbecken entfernt werden.)
Ausschnitte von gezeigten Plakaten während Männis Vortrag:
Fischzucht (Arterhaltung):
Von Mitte November bis Mitte Januar wird in den Kraftwerken Birsfelden und Augst sowie im Kleinkraftwerk «Neue Welt» in Münchenstein Laichfischfang betrieben, um die Fortpflanzung der Flussforellen zu sichern. Die Muttertiere (Rogner genannt) sowie das Männchen (Milchner genannt) werden aus einem Gemisch von 1ml Nelkenöl, 20ml Alkohol und 30 Liter Wasser betäubt, damit man mit leichten Druck die Eier aus der Bauchhöhle heraus streifen kann. Der Samen des Männchens wird in die Eierschale gespritzt und mit Wasser befruchtet.
Eine 30cm Forelle kann bis 3500 Eier hergeben. Je grösser der Fisch, desto mehr Eier sind zu erwarten. In der Natur überleben nur 1%, in der Zucht bis 90%. Das Auflegen der Eier erfolgt im Bruthaus in einem Schubladenturm mit je 10'000 Eier pro Schublade. Durch den Turm fliesst von oben dauernd Frischwasser. – Das Ausbrüten der Eier dauert 45 Tage bei 5.5 grädigem Wasser. Nach dem Schlupf ernähren sich die Brütlinge 12 Tage lang vom Dottersack; danach bekommen sie Fischfutter der Grösse 0.4 bis 0.6 mm.
Das Projekt läuft seit 17 Jahren und wird begleitet von den Fischereibehörden Baselstadt und Baselland. Pro Jahr werden 100'000 bis 150'000 Jungfische der Grösse 4 bis 5 cm in verschiedenen Gewässern wie Rhein, Birs und Wiese ausgesetzt.
Aeschenprojekt:
Die Kleinkraftwerkbetreiber an der Birs bei Dornachbrugg (EBM) und beim Wasserfall «Neue Welt» (IWB) fördern dieses Projekt 10 Jahre lang. Zudem wird es wissenschaftlich begleitet von der Kantonalen Fischereiaufsicht Baselland. Der Fischerverein erhält jährlich 3500 Fr. und kann mit diesem Geld die Jungaeschen in Schaffhausen am Rhein bestellen und von Angenstein (Aesch) bis zum Birskopf aussetzen.
Ein sehr unterhaltsamer Abend mit spannenden Informationen; leider von viel zu wenigen von uns besucht.